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Herzogenrath hat in Sachen Digitalisierung die Nase vorn

„Ericsson Eurolab“ wird bei IHK Forum in Aachen vorgestellt

Autor: Christian Dick

Der Bereich IT-Branche ist der viertgrößte Wirtschaftszweig in der Region Aachen. Über 10.400 Menschen arbeiten in der Region Aachen in rund 1.500 bis 1.700 Unternehmen dieser Branchen. Dabei geht von Herzogenrath eine ganz außerordentliche Dynamik aus. Die technische Entwicklung im Mobilfunk schreitet infolge der Digitalisierung unglaublich schnell voran. Die Zeit für die Datenübertragung wird künftig unfassbar schnell. Grundlage für das neue Hochgeschwindigkeitsnetz ist das 5G-Zeitalter. Vorbei sind lange Downloads einzelner Dateien. „Stattdessen streamen wir nur noch eine ungeheuer große Menge an Daten“, berichtet Jan-Peter Meyer-Kahlen, Leiter des „ICT Development Center“ des „Eurolab“ des Mobilfunk-Pioniers Ericsson. Damit die neue Technologie vollkommen ausgefeilt ist, haben sich Meyer-Kahlen und seine rund 500 Mitarbeiter in Herzogenrath zwei Dinge auf die Fahnen geschrieben: Leidenschaftliches Tüfteln, Kreativität und ungebremsten Forschungsdrang. Welcher technologische Quantensprung mit der neuen Generation des Mobilfunknetzes verbunden ist und weshalb seine Mitarbeiter immer auch „verrückte Leute“ sein müssen, schilderte Meyer-Kahlen am 13. November 2017 beim 47. IHK-Forum erzählt der IHK Aachen.

Nach Absolvierung seines Studiums zum Diplom-Ingenieur Nachrichtentechnik in Aachen begab sich Meyer-Kahlen auf Stellensuche – und seine Suche war von Erfolg gekrönt, als sich Ericsson, Anbieter von Systeminfrastruktur für Mobilkommunikation, gerade im Stadtteil Kohlscheid niedergelassen hatte. Meyer-Kahlen begann 1991 im Bereich „Testing & Verification“ und arbeitet dort fast zwölf Jahre. Im Anschluss hieran war Meyer-Kahlen im Kundensupport in den USA tätig und später in der Ericsson-Zentrale in Stockholm. Zwischenzeitlich war er immer wieder in Aachen tätig und sammelte in unterschiedlichen Abteilungen des Unternehmens Erfahrungen.

Dieser abwechslungsreiche Lebenslauf ist ist bei den Mitarbeitern des Ericsson Eurolab nichts Ungewöhnliches. „Der Konzern ist in den vergangenen 30 Jahren enorm gewachsen und deshalb ist es auch erwünscht, dass die Mitarbeiter verschiedene Bereiche in mehreren Ländern durchlaufen und gut vernetzt sind,“ schilderte Meyer-Kahlen die Unternehmenskultur von Ericsson. Allein das Team in Herzogenrath besteht aus mehr als 40 Nationalitäten; die Unternehmenssprache ist Englisch. „Wir gewinnen viele IT-Fachkräfte aus den Aachener Hochschulen“, sagt Meyer-Kahlen: „Wir benötigen aber auch Leute aus anderen Abteilungen. Die kennen sich zwar vielleicht nicht mit der Technik aus, aber sie bringen völlig neue Ideen mit“, erklärt Meyer-Kahlen: „Deshalb ist es gut, wenn man verrückte Leute um sich hat. Die haben einen frischen Blick auf Probleme und gehen neue Wege für Lösungen.“

5G-Netzwerk bereits im Einsatz

Erste Kunden wenden die neue Technologie heute schon an. Auf Basis eines 5G-Netzwerk mit einem möglichst hohen Verbreitungsgrad plant die Firma Ericsson die Errichtung einer Infrastruktur, die gigantische  Datenübertragungsraten bietet. Neben allen Annehmlichkeiten für den Privatgebrauch sollen auch die vielen Industriezweige über 5G mobil vernetzt werden. Die Umsetzung einer „Industrie 4.0“-fähigen, kabellos vernetzten „Smart Factory“ befindet sich laut Meyer-Kahlen in realistischer Reichweite. Damit nimmt Ericsson zum einen die kabellose Vernetzung von Gegenständen und Geräten in den Blick, zum anderen die Möglichkeit der Speicherung und Verarbeitung großer Datenmengen als Grundlage für neue Geschäftsfelder.

Um alles das zu entwickeln, betreibt Ericsson derzeit zwei sogenannte Datencenter – in Stockholm und in Herzogenrath –, mit Hilfe derer das Unternehmen Erfahrungen sammelt und Lösungen testet. Mehr als 10.000 Glasfaserverbindungen kommen allein in Herzogenrath zusammen; täglich wird neue Technik eingebaut. Von dort aus wird das 5G-Netzwerk gesteuert, das schon jetzt beispielsweise auf einer 30 Kilometer langen Trasse an der Autobahn 9 bei Nürnberg aufgebaut ist. „Dadurch können wir sehen, wie es in der Praxis funktioniert und was noch benötigt wird“, erklärt Meyer-Kahlen: „Damit wir die Möglichkeiten, die wir haben, auch umsetzen können.“

Filed by Christian Dick at November 21st, 2017 under Aachen