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Herausragende Cranach-Ausstellung in Düsseldorf im Reformationsjahr 2017

Die aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunstpalast „Cranach. Meister – Marke – Moderne“ kann mit Fug und Recht als eine Jahrhundert-Ausstellung bezeichnet werden. Nicht nur an Oster sind diese äußerst imposanten Gemälde einen Besuch wert. Bis zum 30. Juli 2017 dauert diese Ausstellung.

Das MUSEUM KUNSTPALAST zeigt in dieser spektakulären Ausstellung bis dato noch niemals öffentlich ausgestellte Cranach-Werke aus Privatsammlungen, wie zum Beispiel ein Bildnis Martin Luthers (um 1532), „Lucretia“ (1537) oder „Alter Mann von Kurtisanen betört(?)“ (1537), selten gezeigte Tafelbilder wie das lange verschollene Tafelbild „Madonna mit Kind“ (um 1510) aus Breslau oder das selten ausgeliehene Tafelbild „Venus und Cupido“ (1509) aus der Eremitage, St. Petersburg, aber auch erstmals in Deutschland präsentierte sowie jüngst restaurierte Werke und eine Neuzuschreibung machen die Düsseldorfer Cranach-Schau auch für Kenner des Altmeisters zu einem besonderen Seh-Erlebnis. Aus dem eigenen Bestand des Museum Kunstpalast werden zwei Gemälde auf Holz, „Ungleiches Paar“ (um 1530), „Christus am Ölberg“ (um 1540), und neun Druckgrafiken Cranachs sowie vier weitere von Albrecht Dürer in der Ausstellung gezeigt.

Freund Martin Luthers

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) zählt zu den bedeutendsten Malern der Deutschen Renaissance, war ein enger Freund Martin Luthers und beeinflusste Künstler über Jahrhunderte. Als einer der Höhepunkte im Reformationsjahr 2017 widmet das Museum Kunstpalast in Düsseldorf dem berühmten Wittenberger Maler vom 8. April bis 30. Juli die groß angelegte Werkschau Cranach. Meister – Marke – Moderne. Die Ausstellung nimmt Cranach den Älteren in seiner Gesamtheit und Modernität in den Blick und beleuchtet neben seinen Erfolgsstrategien den Einfluss des herausragenden Künstlers bis in die Kunst der Moderne und Gegenwart.

Neueste Forschungsergebnisse offenbaren bislang unbekannte Seiten dieses Ausnahmekünstlers.

Rund 200 Werke aus internationalen Museen und Sammlungen, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, die National Gallery in London, das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, das Museum der Bildenden Künste in Budapest sowie das Nationalmuseum Stockholm, werden zum Höhepunkt der Lutherdekade 2017 in der Düsseldorfer Ausstellung zusammengeführt. Zu sehen sind hochkarätige Exponate wie die lebensgroße „Venus“ aus der Eremitage in St. Petersburg, „Christus und die Ehebrecherin“ aus Budapest und der sogenannte Prager Altar, dessen erhaltene Fragmente für die Laufzeit der großen Schau in Düsseldorf vereint werden. Weitere bedeutende Tafelbilder, Zeichnungen und Drucke dokumentieren die maßgebliche Rolle Cranachs bei der Verbreitung der Reformation und sein geschicktes Agieren im Dienste der bedeutendsten fürstlichen Auftraggeber des 16. Jahrhunderts. In Gegenüberstellung mit Werken von Albrecht Dürer, Jacopo de´ Barbari oder Lorenzo Costa d. Ä. dem Älteren untersucht die Ausstellung Cranachs Position im Netzwerk der Künstler seiner Zeit.

Starker Einfluss bis in die Gegenwart

Die Ausstellung folgt den Spuren Cranachs bis in die Kunst der Gegenwart und Moderne.

Arbeiten u. a. von Pablo Picasso, Marcel Duchamp, Alberto Giacometti, Otto Dix, Andy Warhol oder Martial Raysse zeigen, welchen Einfluss Cranachs Bildsprache auf führende Wegbereiter der Moderne ausgeübt hat.

Neueste kunsttechnologische Forschungen und Archivrecherchen geben faszinierende Einblicke in die tägliche Praxis des produktivsten deutschen Malers im 16. Jahrhundert. Cranachs Gemälde zeugen von einem immensen Spektrum innovativer Bildlösungen und völlig neuartiger Bildthemen, die der enge Weggefährte Martin Luthers im Spannungsfeld unterschiedlicher Glaubensvorstellungen entwickelte und die sich innerhalb kürzester Zeit über den europäischen Kontinent verbreiteten.

Die Ausstellung nimmt den Besucher mit auf eine Zeitreise in die florierende Werkstatt des Malers und gibt spannende Einblicke in die künstlerischen Prozesse bei der Entstehung der Gemälde: Dank modernster Technik werden unter der Malschicht verborgene Unterzeichnungen erstmals für die Besucher erschlossen. Sie geben unter anderem Auskunft über den enormen Reichtum an verwendeten Malmaterialien und die effiziente Arbeitsweise des Künstlers.

So entwickelte Cranach verschiedene Verfahren zur Ökonomisierung und Optimierung der Malprozesse, um seine Bilder in hoher Qualität und großer Anzahl produzieren zu können.

Ein kurzer Einführungsfilm empfängt die Besucher der Ausstellung, die sich wie folgt gliedert:

Cranach in Wien

Der neue Hofkünstler des Kurfürsten

Künstlerischer Austausch und Wettstreit

Bildnisse von Bürgern und Fürsten

Andacht und Verehrung

Augenweide und Belehrung

Reformation – Bilder des neuen Glaubens

Die Werkstatt des Malers

Cranach und die Moderne

 

Entstehung der Ausstellung

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Köln und dem CRANACH DIGITAL ARCHIVE (siehe: www.lucascranach.org). Das Cranach Digital Archive ist das einzigartige, vom Museum Kunstpalast und der Technischen Hochschule Köln in Kooperation mit anderen Partnern initiierte und von der Andrew W. Mellon Foundation geförderte Forschungsprojekt, das sich seit 2009 der Erforschung des weltweit verstreuten Cranach-OEuvres widmet. Begleitet wird die Schau von einem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat.

Ein kostenloser Audioguide, verschiedene Medienstationen und ein vielfältiges museumspädagogisches Begleitprogramm lassen die Zeit des großen Wittenberger Malers für die Besucher lebendig werden.

Ein umfangreicher Katalog zu Cranach. Meister – Marke – Moderne, herausgegeben von Gunnar Heydenreich, Daniel Görres und Beat Wismer erscheint im Hirmer Verlag. Er umfasst 340 Seiten und ca. 320 Farbabbildungen.

KURATOREN

Die Kuratoren der Ausstellung sind die Wissenschaftler des Cranach Digital Archive, Daniel Görres und Prof. Dr. Gunnar Heydenreich, Technische Hochschule Köln, sowie Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast.

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT

Dr. Bodo Brinkmann (Kunstmuseum Basel), Dr. Susan Foister (The National Gallery London), Dr. Daniel Hess (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg), Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Universität Göttingen), Prof. Dr. Dieter Koepplin (Basel), Dr. Guido Messling (Kunsthistorisches Museum Wien), Dr. Matthias Weniger (Bayerisches Nationalmuseum München)

In die Tiefe gehende Informationen über die Ausstellung sind unter folgender Internetadresse zu finden: www.cranach2017.de

Highlights der Ausstellung 

Lange verschollenes Gemälde in der Düsseldorfer Cranach-Schau: Madonna mit Kind, um 1510, Malerei auf Holz, Erzdiözesanmuseum Breslau

Bislang ist bekannt, dass die Bildtafel, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg ausgelagert war, wohl im Jahr 1947 auf Initiative eines Geistlichen im Dom von Breslau durch eine Kopie ersetzt und nach Deutschland ausgeführt wurde. Abseits der öffentlichen Wahrnehmung wechselte das Gemälde in den folgenden Jahrzehnten mehrfach seinen Standort innerhalb Europas und konnte erst 2012 nach langer Odyssee von der Schweizer römisch-katholischen Kirche an die Erzdiözese Breslau restituiert werden. Die Tafel ist seit dem im Museum der Erzdiözese Breslau ausgestellt, das nun erstmals einer Leihanfrage des Tafelgemäldes zugestimmt hat. Das Gemälde, fälschlicherweise oft „Madonna unter den Tannen“ genannt, zeigt die innige Beziehung zwischen Maria und dem Jesuskind vor einer weiten, nordeuropäisch anmutenden Landschaft. In seiner feinmalerischen Brillanz und einfühlsamen Schilderung von Mutter und Kind zeigt es den Wittenberger Maler Lucas Cranach den Älteren auf der Höhe seines Schaffens. Als einziges unter seinen bekannten Werken signiert er diese besondere Tafel mit der Darstellung seines eigenen Siegelrings, der das berühmte schlangenförmige Cranach-Signet zeigt.

© Muzeum Archidiecezjalne we Wroclaw, Foto: Muzeum Archidiecezjalne we Wroclaw

Lucas Cranach d. Ä., Seelbstbildnis, 1531, Generaldirektion KKulturelles Erbe

Rheinland-Pfalz – Direktionn Burgen, Schlösser, Altertümer – Schlo oss Stolzenfels

Das 1531 gefertigte Tafelbild ist das einzige erhaltene autonome Künstlerbildnis Lucas Cranachs und nimmt damit eine herausragende Stellung im Werk des s Malers ein. Nur schemenhaft zeichnet sich das pelzbesetzte Gewand des Malers gegen den braunen Bildhintergrund ab, einzig das Inkarnat des Gesichts, gerahmt vom braunen Haar und dem ergrauenden Bart, sticht heraus und lässt d den direkten Blick auf den Betrachter umso eindringlicher r wirken. Untersuchungen der Bildtafel konnten bestätigen, dass Cranach das

Bild von Anfang an als Selbstbildnis geplant hatte. Die reduzierte Farbigkeit dieses Bildnisses zusammen mit dem melancholischen Blick des Malers weisen das Werk als beeindruckendes Zeugnis künstlerischer Selbstbefragung aus.

© Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz – Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer –

Schloss Stolzenfels/ Foto: GDKE

Lucas Cranach d. Ä., Adam m und Eva, um 1510, Muzeum Narodowe e w Warszawie /

Nationalmuseum Warschau u

Besonders in seinen frühen Jahren als Hofmaler in Wittenberg scheint Lucas Cranach der Ältere den künstlerischen Wettstreit mit anderen europäischen Malern gesucht zu haben. Dies zeigt sich besonders s an dem Einfluss, den die Adam und Eva-Darstellungen Albrecht Dürers auf Cranach hatten. Eine der frühesten und bedeutendsten Darstellungen dieses Sujets im Werk Lucas Cranachs ist das Gemälde aus dem Warschauer Nationalmuseum, das in der Ausstellung neben weiteren Versionen dieses Themas gezeigt wird. Erst im Vergleich mit den n Arbeiten seiner Zeitgenossen offenbart sich die Besonderheit von Cranachs Bildlösung: Dargestellt ist der Moment und die innere Verfasstheit des Paares unmittelbar vor dem Sündenfall: Eva, in hellem Inkarnat, blickt den Betrachter an und hält den Apfel bereit, um im nächsten Moment hineinzubeißen. Pendant: Adam – in dunklerem Hautton hat den Kopf leicht erhoben und scheint ratsuchend nach oben zu blicken.

© Nationalmuseum, Warschau/ F

Lucas Cranach d. Ä., Kapselbildnis des Martin Luther / Kapselbildnis der Katharina von Bora, der Gattin Martin Luthers, 1525, Kunstmuseum Basel

Die Ausstellung richtet im Lutherjahr 2017 einen besonderen Blick auf Cranachs künstlerisches Wirken im Dienst der Reformation. In diesem Zusammenhang finden die Ehebildnisse von Martin Luther und Katherina von Bora besondere Beachtung. Indem Cranach das Paar in die Bildtradition des Ehebildnisses einreiht, verleiht er der nach altgläubiger Vorstellung illegitimen Ehe zwischen einem Mönch und einer Nonne eine Rechtfertigung mit den Mitteln der Kunst. Die Bildnisse im Rund stellen innerhalb der vielfältigen Produktion von Tafeln Cranachs und seiner Werkstatt eine Besonderheit dar, da sie nur über einen kurzen Zeitraum um die Mitte der 1520er Jahre im OEuvre des Malers nachweisbar sind.

© Kunstmuseum Basel, Geschenk von Prof. Johann Rudolf Thurneysen-Faesch 1762 / Foto: Martin P.

Bühler/ cda

Filed by Christian Dick at April 14th, 2017 under Uncategorized