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Festakt 60 Jahre Kölner Oper am Offenbachplatz

11.03.2017 Köln Staatenhaus Festakt 60 Jahre Kölner Oper Uschi Cöbler Dr. Karl Zieseniß im 103. Lebensjahr und Dr. Birgit Meyer Foto Andrea Matzker

Autor: Dr. Egon Schlesinger

Am 18. Mai 1957 wurde das damals von der Presse als „schönster Theaterbau Deutschlands“ gerühmte Opernensemble des Architekten Wilhelm Ripahn am Offenbachplatz feierlich eröffnet. Am 19. fand die Premiere des Oberon statt, und im Juli des gleichen Jahres gab die Mailänder Scala ein Gastspiel mit Maria Callas in der Titelrolle der Sonnambula von Vincenzo Bellini. Ehrengast beim Festakt zum 60jährigen Jubiläum im Interimsquartier Staatenhaus war Dr. Karl Zieseniß, heute im 103. Lebensjahr, und damals Verwaltungsdirektor der Bühnen der Stadt Köln. Er war es auch, der Maria Callas vom Bahnhof mit einem großen Blumenstrauß abgeholt hatte. In einer launigen Rede schilderte er plastisch, dass das damalige Haus punkt- und zeitgerecht, wenn auch nicht so ganz vollendet, eröffnet werden konnte. Die Intendanz schlug jeden Abend drei Kreuze, wenn der Vorhang aufging, „mit oder ohne Pfusch“. Das Haus wurde damals im Volksmund auch als „Grabmal des unbekannten Intendanten“ bezeichnet. Dr. Zieseniß beendete seine Ansprache in Anspielung auf die stark verzögerte Wiedereröffnung des Hauses mit Blick auf die Intendantin: „Ich hoffe, dass Sie auch möglichst bald einziehen, denn ich möchte es gerne erleben und es nicht „vom Himmelspötzche“ („von der Himmelspforte“ auf Hochdeutsch) aus ansehen!“ Intendantin Dr. Birgit Meyer widmete den Festakt ausdrücklich dem für Köln und seine Nachkriegszeit so wegweisenden Architekten und Erbauer des Hauses Wilhelm Ripahn und zugleich dem kürzlich verstorbenen Opernsänger Kurt Moll, der im Alter von 20 Jahren am Kölner Opernhaus zu Beginn seiner Weltkarriere debütiert hatte. In einem Filmbeitrag wurde auch der damalige Kölner Oberstadtdirektor Max Adenauer eingespielt, der von dem Entwurf und der Realisierung Wilhelm Ripahns von Anfang an überzeugt gewesen war. Köln verdankt Ripahn einige der eindrucksvollsten Stadtteile, Gebäude und Wohnhäuser der Nachkriegszeit. Er selbst sei in die von ihm entworfene Bastei am Rhein geradezu verliebt gewesen und trug sein Leben lang ein Foto von ihr in seinem Portemonnaie. Er war kein so genannter Betonkopf, und Adenauer vertraute ihm komplett bezüglich des Opernbaus: „Bau dat Ding, aber mach’ et schön!“ (auf Hochdeutsch: „Bau das Ding, aber mache es schön!“) Die Vertreterin der Stadt betonte die Bedeutung der Kölner Oper am Offenbachplatz für die kulturelle Identität der Stadt und erinnerte an den Vater von Jacques Offenbach, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Kantor in der vormals dort angesiedelten Synagoge tätig war. Sie gratulierte allen Mitarbeitern des Hauses und wünschte der Intendantin weiterhin viel Erfolg bei der Führung durch das Interim.

Filed by Christian Dick at März 29th, 2017 under Kultur