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Grandiose Premiere im Rheinischen Landestheater

Für mich solls rote Rosen regnen_Klein

Emilia Haag und Nadine Nollau als jüngere und ältere Hildegard Knef (Fotograf: Björn Hickmann / stage-picture.de)

Autor: Christian Dick

Am 26. September 2014 fand die Premiere des musikalisch-seelischen Portraits über Hildegard Knef: „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ (Buch James Edward Lyons, Musik William Ward Murta) in der Inszenierung von Katharina Schmidt im Rheinischen Landestheater in Neuss statt. Die Baccara-Rosen, die die beiden Darstellerinen Emilia Haag als junge Hildegard Knef und Nadine Nollau als Hildegard Knef um die 50, die Musiker (Klavier Klaus von Heydenaber, Saxophon/Klarinette Pawel Kuterbach/Bernd Bolsinger, Bass Jürgen Michel), Regisseurin Katharina Schmidt, Dramaturgin Alexandra Engelmann und die für das Bühnenbild zuständige Ivonne Theodora Storm nach einer mitreißenden Darbietung bekamen, wurden sogar als Dank für den überwältigenden Applaus am Ende ins Publikum geworfen.

So viel Dynamik und Wechselfälle der Gefühle hat man selten auf der Bühne gesehen. Emilia Haag macht sehr gut die Sturm-und-Drang-Phase von Hildegard Knef in ihrer Jugend deutlich. Schon damals wollte die junge Hilde „Alles oder Nichts“, wie es in dem Lied „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ treffend heißt, sie neigte oft zu Überschwänglichkeit und Blauäugigkeit und fiel dadurch auch oft die Nase, was der älteren Hildegard Knef noch sehr weh tat und bei dieser zu Depressionen geführt hat. Nadine Nollau stellt den Rückblick auf ein Leben dar, das von einer sehr harten Jugend – schon mit 17 Jahren war „Hilde“ viermal ausgebombt worden – von starken Gefühlen, aber auch ebenso starken Enttäuschungen geprägt war. So stürzte sie sich Hals über Kopf in die Ehe mit ihrem ersten Mann Kurt Hirsch und ging mit ihm in die USA, ohne genau zu ahnen, worauf sie sie sich dabei einließ. In diesem Stück, das eine Hommage an den Menschen Hildegard Knef ist, der gefühlsmäßig immer ganz oben oder ganz unten ist und für den es kein „Dazwischen“ gibt, wird auch dargestellt, dass Hildegnard Knef in den USA oft von einem ausschließlich am Kommerz interessierten Management, das sie Filmprojekte machen ließ, die ihrem Talent eigentlich gar nicht gerecht wurden, regelrecht verheizt wurde. Schließlich kommt sie nach dem Krieg wieder nach Deutschland zurück, wo sie in den 1950er Jahren in den Filmstudios in Babelsberg den Film „Die Sünderin“ dreht. In diesem Film kommt eine Nacktszene vor, was im Deutschland des Jahres 1956 einen Tabubruch im Hinblick auf das Ehrbarkeitsgefühl der deutschen Bevölkerung darstellt und einen großen Skandal auslöst. Hildegard Knef wird angefeindet. So hatte sie sich ihre Rückkehr nach Deutschland nicht vorgestellt, vielmehr hatte sie erwartet, in fulminanter Weise gefeiert zu werden. In dem Bühnenstück sagt die ältere Hildegard Knef in ihrer großen Enttäuschung über das deutsche Volk folgendes „Bei einem Film machen sie eine Revolution, aber bei Gaskammern machen sie nichts!“

Rahmenhandlung:

Es ist das Jahr 1975: Hildegard Knef ist auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Karriere, doch privat in der Krise. Der deutsche Weltstar konnte zwar dem Krebs knapp entrinnen, wurde aber vom Ehemann verlassen. Nun sitzt „die Knef“ vor ihrer Schreibmaschine und blickt in den Spiegel der eigenen Vergangenheit. Dort begegnet sie ihrer jüngeren Ausgabe „Hilde“: zwei Frauen, eine Person. Sie streiten sich und fallen sich ins Wort. Eine Achterbahn der Gefühle beginnt. Schonungslos rechnet die Knef mit sich selbst ab.

Die beiden Schauspielerinnen sind überaus ausdrucksstark, haben sich sehr gut in die Gefühlswelt von Hildegard Knef hinein versetzt. Außerdem haben sie Stimmen, die in brillanter Weise Hildegard Knef wiedergeben. In über 20 Chansons, die live gesungen werden, sowie Gedichten und Passagen aus ihren Erinnerungsbüchern wird das Leben der Hildegard Knef von der Trümmerzeit in Berlin bis zum Broadway für die Zuschauer hautnah miterlebbar gemacht. Arbeitseifer und Ehrgeiz, die bis zum Exzess gehen, sowie physische Verausgabung, maßlose Sehnsucht und ein Lebensstil, der sie nicht zur Ruhe kommen lässt, führen sie in die Einsamkeit, in den körperlichen und seelischen Burnout. Nur mit Hilfe ihre enorme starken Muts und ihres eisernen Willens hält sie den permanenten Kampf, in dem sie sich befindet, durch.

Im Anschluss an die Premiere fand im Foyer eine öffentliche Premierenfeier. Auch hier gab es noch einmal viel Beifall für die beiden Schauspieleinnen und das gesamte Team, das an dieser Inszenierung mitgewirkt hatte. Die Band ließ es sich währenddessen nicht nehmen, noch weiter zu spielen.

Fazit: Es war ein überaus kurzweiliger und spannender Theaterabend, der Lust auf Mehr gemacht hat. Man sollte sich „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ im Rheinischen Landestheater in Neuss auf keinen Fall entgehen lassen.

James Edward Lyons

Für mich soll’s rote Rosen regnen

Hildegard Knef – Ein musikalisch-seelisches Portrait

Schauspielhaus Rheinisches Landestheater Neuss, Oberstr. 95

Klavier Klaus von Heydenaber, Saxophon/Klarinette Pawel Kunterbach/Bernd Bolsinger, Bass Jürgen Michel

Inszenierung Katharina Schmidt, als Gast // Bühne und Kostüme Ivonne

Theodora Storm, als Gast // Dramaturgie Alexandra Engelmann

Weitere Vorstellungen im Schauspielhaus:

Fr | 26.09.2014 | 20:00 Uhr So | 07.12.2014 | 18:00 Uhr

Do | 02.10.2014 | 20:00 Uhr Sa | 13.12.2014 | 20:00 Uhr

Mo | 27.10.2014 | 20:00 Uhr Mi | 17.12.2014 | 20:00 Uhr

Di | 11.11.2014 | 20:00 Uhr Fr | 19.12.2014 | 20:00 Uhr

Katharina Schmidt, als Gast (Regie)

Katharina Schmidt geboren in Augsburg, absolvierte ihr Regiestudium und szenisches Schreiben an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm. Es folgten drei Jahre Regieassistenz am Schauspielhaus Graz. Seit Ende 2009 arbeitet sie als freischaffende Regisseurin. Arbeiten unter anderem am Schauspielhaus Graz, Kinder-und Jugendtheater Dortmund, Staatstheater Saarbrücken, der Landesbühne Bruchsal und dem Landestheater Neuss. Nach dem Balladenabend UND BIST DU NICHT WILLIG, SO BRAUCH’ ICH GEWALT, SIEBEN SONETTE und DIE BREMER STADTMUSIKANTEN ist dies ihre vierte Inszenierung am RLT Neuss.

Ivonne Theodora Storm, als Gast (Bühne/Kostüme)

Die Bühnen- und Kostümbildnerin Ivonne Theodora Storm wurde 1973 in Halle/Saale geboren. Nach ihrem Studium für Modedesign und Grafik von 1994 bis 1999 an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle/Saale absolvierte sie noch von 1999 bis 2001 ein Zusatzstudium für Bühnenbild an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Von 2001 bis 2003 war sie Ausstattungsassistentin, von 2003 bis 2004 Bühnen- und Kostümbildnerin am Staatsschauspiel Dresden. Seit 2004 arbeitet sie als freie Bühnen- und Kostümbildnerin mit Regisseuren wie Bernarda Horres, Walter Meierjohann, Sarah Kohrs, Julia Kunert, Constanze Kreusch und Holk Freytag unter anderem in Dresden, Heidelberg, Linz, Oberhausen, Lübeck, Leipzig, Rostock, Krefeld/Mönchengladbach und Chemnitz. Von der Spielzeit 2009/10 bis zur Spielzeit 2011/12 war sie Ausstattungsleiterin am Rheinischen Landestheater Neuss und hat für Bettina Jahnke die Ausstattung von WIE IM HIMMEL, EIN SOMMERNACHTSTRAUM, CABARET und GESPENSTER realisiert. Die Bühne und die Kostüme entworfen hat sie für DIE GLASMENAGERIE, das TRAUMFRESSERCHEN; für das Ritterstück KING A, für DIE ORESTIE, den Balladenabend UND BIST DU NICHT WILLIG, SO BRAUCH’ ICH GEWALT, für die Shakespearesche Komödie VIEL LÄRM UM NICHTS sowie für das Schauspiel SIEBEN SONETTE.

Klaus von Heydenaber (Musikalischer Leiter)

Klaus von Heydenaber wurde 1982 in Braunschweig geboren. Gegen Ende seines Klavier-Studiums am Jazz-Institut der Kunstuniversität Graz begann er als Komponist für das Schauspielhaus Graz und das Schauspiel Köln zu arbeiten. Später arbeitete er außerdem für das Staatsschauspiel Mainz, das Katona Theater Budapest, sowie für die Theater in Wien und Heidelberg, bevor er in der Spielzeit 2013/14 zum ersten Mal selbst Regie führte. Parallel zu seinem Stück „Herbetrunken“, für das er Ringelnatz-Gedichte vertonte, komponierte er 2014 die Musik für Viktor Bodós „Das Ballhaus“.

Alexandra Engelmann (Dramaturgie)

Alexandra Engelmann, 1978 in Saarlouis geboren, studierte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Theaterwissenschaft, Germanistik und Pädagogik. Bereits während des Studiums war sie an verschiedenen Theaterprojekten beteiligt, arbeitete als Regieassistentin am Theater Erlangen und als Dramaturgieassistentin am Staatstheater Nürnberg. Im Sommer 2004 begann sie in der Dramaturgie der Städtischen Bühnen Münster bei Wolfgang Quetes und wechselte zur Spielzeit 2006/07 als Schauspieldramaturgin an die Wuppertaler Bühnen GmbH (Generalintendant Gerd Leo Kuck). Parallel dazu bildete sie sich an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg weiter im Bereich Kulturmanagement. Mit der Intendantin Bettina Jahnke wechselte sie zur Spielzeit 2009/10 als Schauspieldramaturgin an das Landestheater Neuss.

Weitere Informationen finden Sie unter der Internetadresse www.rlt-neuss.de.

Filed by Christian Dick at September 27th, 2014 under Kultur

Habe die Änderung gerade vorgenommen. Bitte vielmals um Entschuldigung.

Beste Grüße,

Christian Dick

Comment by Christian Dick — Oktober 24, 2014 @ 13:05