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Es gab 3 Gründe, Kardinal Meisner zu feiern

Autor: Christian Dick

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Foto: Erzbischof Stanislav Dziwisz aus Krakau, früher Sekretär Papst Johannes Pauls II., Dominik Kardinal Duku aus Prag und Joachim Kardinal Meisner am 9. März im Gürzenich (Aufnahme: JS)

Zugegeben, die Anfänge von Joachim Kardinal Meisner in Köln waren nicht leicht. Der am 25. Dezember 1933 in Breslau geborene Alterzbischof hatte sich bei seiner Priesterweihe im Jahre 1962 vorstellen können, nach Erfurt, in die Thüringische Diaspora oder in die Rhön als Priester zu kommen, wie er am 9. März bei einem Festakt im Kölner Gürzenich anlässlich der Vollendung seines 80jährigen Lebensjahres, seines silbernen Jubiläums als Erzbischof von Köln und seiner Versetzung in der Ruhestand durch Papst Franziskus am 28. Februar 2014. Er habe Gott dann einen „Blankoscheck“ unterschrieben. Er habe nicht gedacht, dass er dann nach Erfurt, Berlin und Köln komme. In launiger Stimmung fügte Meisner hinzu, dass er davor warnen könne, einen Blankoscheck zu unterschreiben. Als er 1989 gerade nach Karneval nach Köln kam, hatte er mit dem rheinischen Frohsinn so gar nichts am Hut. Und die Kölner hätten lieber einen Rheinländer als Erzbischof gehabt. Die Kölner und Kardinal Meisner haben sich dann aber in all den Jahren zusammengerauft. Meisner bekundete sogar in einer seiner Predigte „Karneval und Kirche gehören in Köln zusammen“. Unter Meisners Ägide wurde eine Karnevalsmesse eingeführt. Er mutierte auch zu einem großen Fan des 1. FC Köln. Köln wurde ihm zu einer Heimat. Dass in Köln der soziale Zusammenhalt sehr gut ist belegt auch das bekannte Lied „In unserm Veedel“, das von einem Bläserensemble vorgetragen wurde. In Köln will der Alterzbischof deshalb auch seinen Ruhestand verbringen, seinem Nachfolger aber nicht in die Parade fahren. Eines ist Kardinal Meisner immer geblieben: ein streitbarer Mensch, der sich nie hat verbiegen lassen, der nie dem Zeitgeist hinterhergelaufen ist und der Rückgrat hat. Diese Eigenschaft an ihm hob auch die stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Schulministerin Sylvia Löhrmann, Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, hervor. Und auf Grund der genannten Eigenschaften und dessen tiefer Frömmigkeit und der Tatsache, dass  Kardinal Meisner dem Gebet höchste Priorität in seinem Leben eingeräumt hat, hat auch Dr. Dominik Schwaderlapp, der 17 Jahre lang als Erzbischöflicher Geheimsekretär, danach als Generalvikar und seit dem Jahre 2012 als Weihbischof an der Seite des Kardinals stand, viel von diesem gelernt und war daher am 9. März von Wehmut und Freude zugleich erfüllt.   

 „Ich wör so jän ens Erzbischof“

Ein ganz besonderer Höhepunkt des Festaktes stand gleich am Anfang. Der kleine Elias sang im Messdiener-Gewand eine abgewandelte Version des Liedes „Ich wör so jän ens Weihbischof“ der Kölner Band Bläck Föös. Das Wort Weihbischof wurde freilich durch „Erzbischof“ ersetzt.

Es wurde im Folgenden dargestellt, was in der 25jährigen Amtszeit von Kardinal Meisner in Köln alles geschehen ist. Vom Fall der Berliner Mauer, der deutschen Wiedervereinigung und dem Fall des „Eisernen Vorhangs“, dem ersten Golfkrieg 1991, dem Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 1999 und der Fußball-Europameisterschaft 1996, den Anschlägen des 11. September 2001, dem herausragendsten Ereignis von Meisner Amtszeit, dem Weltjugendtag im Jahre 2005, dem Nationalen Eucharistischen Kongress im Juni 2013 und der Erstellung des Gotteslob, dem Kirchengesangbuch für die katholische Kirche in Deutschland und Österreich. Insbesondere der Dominik Kardinal Duka aus Prag dankte Kardinal Meisner für dessen Einsatz für die Kirche Osteuropas.

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Foto: Dominik Kardinal Duku aus Prag im Gespräch mit Joachim Kardinal Meisner (Aufnahme: JS)

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Foto: der Erzbischof von Riga Zbignev Stankevic und Dominik Kardinal Duku aus Prag (Aufnahme: Christian Dick)

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses und Sekretär des emeritierten Papst Benedikt XVI. Erzbischof Georg Gänswein war eigens aus Rom angereist, um die Grüße von Papst Franziskus und Benedikt XVI. zu übermitteln. Den wohl weitesten Weg hat der Erzbischof von Tokio Peter T. Okada zurückgelegt, mit dessen Bistum das Erzbistum Köln seit 60 Jahren eine Partnerschaft pflegt.

Der Präsident des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln Thomas Nickel zollte Joachim Kardinal Meisner ebenfalls seinen großen Respekt und dankte ihm herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit.

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Foto: Diözesanratspräsident Thomas Nickel, der ebenfalls im Mai aus seinem Amt ausscheidet, mit seiner Ehefrau (Aufnahme: Christian Dick)

Als Erinnerung an den Weltjugendtag 2005 sang der anwesende Jugendchor das Lied „Jesus Christ, you are my life“ und das Publikum im Saal sang und klatschte begeistert mit.

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Foto: der Jugendchor im Gürzenich (Aufnahme: JS)

Der Kölner Domkapellmeister Professor Dr. Eberhart Metternich berichtete, dass die Auswahl der musikalischen Stücke in den Messen insofern immer wohl durchdacht war, weil der Joachim Kardinal Meisner nicht gerne Applaus nach einem Lied gehabt habe. Da die Gottesdienstbesucher jedoch sehr gerne nach dem „Halleluja“ aus dem Messias von Georg Friedrich Händel applaudierten, habe man andere Stücke gewählt, die eher keinen Applaus nach sich zogen.

Unter den Gästen im Gürzenich waren unter anderem weiterhin:

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Foto: Winfried Motter, Kolping-Präses im Erzbistum Köln, der auch im Mai seine Tätigkeit beendet, und der Bischof Hildesheim Nobert Trelle, der früher in Köln Weihbischof war (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: der aus Neuss stammende Dogmatik-Professor Dr. Dr. Thomas Marschler (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: der Erfolgsautor, Theologe und Psychiater Dr. Manfred Lütz (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: der Bischof von Trier Stefan Ackermann (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: der Regensburger Bischof Rudolf Vorderholzer (Aufnahme: Christian Dick)

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Foto: Zwei Sekretäre unter sich: rechts: Oliver Boss, der von 2004 bis 2014 Erzbischöflicher Geheimsekretär von Kardinal Meisner war, rechts: der Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Erzbischof Georg Gänswein (Aufnahme: JS)

Kardinal Meisner in bester Stimmung

Heiter und sehr gelöst konnte man Kardinal Meisner bei dem Festakt erleben. So erzählte er eine Anekdote aus seiner Anfangszeit in Köln. Er saß damals vor dem Dom in seinem Wagen und kurbelte die Scheibe herunter, weil die Menschen mit sprechen wollten. Da habe ein junger Mann „Buh“ gerufen. Eine ältere Dame habe dem Mann auf den Mund gehauen. „Das ist die Rolle der Frau in der katholischen Kirche“, sagte Meisner.

Kein Geschenk vom Erzbistum

 „Ein Geschenk bekommst Du nicht. Denn das Sparen habe ich den letzten zwei Jahren von Dir gelernt“, erklärte Diözesanadministrator und Generalvikar Dr. Stefan Heße. Er verwies allerdings darauf, dass eher als an einem Geschenk des Erzbistums das Herzblut des Alterzbischofs vielmehr an der neu ins Leben gerufenen nach ihm benannten Stiftung hängt.

 Kardinal-Meisner-Stiftung für Pastoral- und Gemeindeentwicklung

Seit jeher liegen Kardinal Meisner Pastoral und Priestertum besonders am Herzen. Sein Anliegen unterstützt und würdigt das Erzbistum Köln mit der Gründung der Kardinal-Meisner-Stiftung. Sie fördert die Pastoral- und Gemeindeentwicklung im Erzbistum Köln sowie in Mittel-, Ost- und Südeuropa.

Schwerpunkt und damit Zweck der Stiftung liegen in der ideellen und finanziellen Unterstützung von Maßnahmen zur Stärkung der soliden Glaubensverkündigung und der missionarischen Ausstrahlung der Katholischen Kirche im In- und Ausland. Die Sorge um Priesterberufungen hat in der pastoralen Arbeit stets einen herausragenden Rang. In den Zeiten des Kalten Krieges riskierte Kardinal Meisner viel und weihte in den Ostblockländern geheim Priester. Denn nach einem Wort von Papst Johannes Paul II. ist der Priester nur durch einen Priester zu ersetzen.

Die Kardinal-Meisner-Stiftung ist als Treuhandstiftung unter dem Dach der Erzbischöflichen Stiftung Köln mit einem Startkapital von 1 Mio Euro ausgestattet. Wer die Arbeit der Stiftung unterstützen möchte, kann sich mit einer Spende beteiligen:

Kardinal-Meisner-Stiftung, Pax-Bank Köln, IBAN: DE94 3706 0193 0034 0000 34, BIC: GENODED1PAX.

Zum Abschluss die heimliche Kölner Hymne

Als zum Abschluss „Mer losse d’r dom in Kölle“ angestimmt wurde, sang das Publikum begeistert mit.

Abschieds-Pontifikalamt in Kölner Dom

Der Dom füllt sich_klein

Foto: Der Dom füllt sich… (Aufnahme: JS)

Robert Zollitsch und Nikola Eterovich beim Einzug im Kölner Dom_klein

Foto: der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch und der Nuntius in Deutschland Nikola Eretovic vorne im Bild beim Einzug im Kölner Dom (Aufnahme: JS)

Der Festakt im Gürzenich mit anschließendem interessantem Austausch beim Buffet bildete den Auftakt für einen wahren „Super-Sonntag“. Denn am Nachmittag fand und 15:30 Uhr ein Pontifikalamt statt, bei dem der Kölner Dom voll war, wie selten zuvor. Kardinal Meisner betonte in seiner Abschiedspredigt die große Bedeutung der Anbetung Gottes im Leben eines Christen. Wichtig, so Meisner, sei es, vor dem Herrn niederzuknien, sich mit dem Herrn auf Augenhöhe zu stellen.

Der neue Nuntius in Deutschland Nikola Eterovic trug ein Grußwort von Papst Franziskus vor, in dem dieser Kardinal Meisner für sein geistliches Wirken dankte und ihm gleichzeitig seine geistliche Nähe versicherte.

Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch, der Meisner für dessen „ganzes bisheriges Wirken im Weinberg des Herrn“ und für dessen „Achtung der Menschenrechte und unermüdlichen Kampf für die Würde des Menschen“ dankte, hob in seiner Dankesrede als essentielles Merkmal Kardinal Meisners Wahlspruch Spes nostra firma („Unsere Hoffnung für Euch steht fest“) hervor. Zollitsch erklärte mit Vehemenz, dass die Charakteristika Joachim Kardinal Meisners sein „unerschütterlicher Glaube an Gott“, seine Eigenschaft als „unbeirrbarer Zeuge einer Kirche Jesu Christi“ und sein „tiefes Gottvertrauen“ seien.

Der Sonderdruck der Zeitung „Joachim Kardinal Meisner 25 Jahre Erzbischof von Köln – Spes nostra firma“ wurde vom Erzbistum Köln veröffentlicht und ist als pdf-Dokument unter folgender Internetadresse abrufbar:

http://www.kiz-koeln.de/fileadmin/webfiles/data/downloads/ausgaben/2014/Kardinal_2014.pdf

Gefeiert wie Fußball-Star

Kardinal Meisner vor dem Dom_klein

Foto: Ein Mensch mit einem klaren Profil – Kardinal Meisner nach dem Pontifikalamt vor dem Kölner Dom (Aufnahme: JS)

Nach dem Pontifikalamt ereignete sich gegen 17:30 Uhr auf dem Vorplatz des Kölner Doms ein Schauspiel ganz besonderer Art. Joachim Kardinal Meisner war in der riesigen Menschenmasse kaum mehr zu sehen, allenfalls seine Kopfbedeckung war noch erkennbar. Er wurde frenetisch gefeiert, ein Abschiedsfoto mit dem Kardinal war sehr gefragt. Es kam einem so vor, als sei der 1. FC Köln gerade Deutscher Meister geworden. So etwas erlebt die katholische Kirche, die in den letzten Jahren stark krisengeschüttelt war, insbesondere in Deutschland, heute nicht mehr allzu oft. Aber es scheint, dass Dinge, die in den Medien zu vermeintlichen Skandalen  aufgebauscht werden, sich besser verkaufen, als die Berichte über, entgegen dem von vielen Meinungsmachern propagierten negativen Trend in Sachen Kirche, doch noch existierende freudige und euphorische Stimmungen in der katholischen Kirche, die die Kirche für einen neuen Aufbruch ganz intensiv nutzen sollte!

Jubel vor dem Kölner Dom_klein

Foto: Kardinal Meisner vor dem Kölner Dom (Aufnahme: JS)

Marianische Männerkongregation_klein

Foto: die Marianischen Männerkongregation würdigt Kardinal Meisner (Aufnahme: JS)

 Menschenscharen  vor dem Dom_klein

Foto: Menschenscharen vor dem Dom (Aufnahme: JS)

Filed by Christian Dick at März 10th, 2014 under Kirche

Ein wunderbarer Artikel, der gekonnt Kardinal Meisners Beziehung zu seinem Erzbistum herausarbeitet. Bitte mehr davon!

Comment by Stefan Klose — März 11, 2014 @ 07:44