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Das Werben um das andere Geschlecht will gelernt sein!

Autor: Christian Dick

Mit einer Überraschung begann der Premierenabend am 22. März im Düsseldorfer Theater an der Kö. Mit den Worten „In dem heutigen Stück geht es um einen Flirt-Kurs für die Generation 70+. Daher meinte mein Vater, dass ich genau der Richtige bin, der Sie heute Abend begrüßen soll“, trat Joel Heinersdorff, der achtjährige Sohn von Theaterdirektor René Heinersdorff auf die Bühne und bekam hierfür den starken Beifall des Publikums.

 

Foto: fünf Schauspieler des Ensembles: Ursula Bredin, Florian Reiners, Ulli Kinalzik, Renate Hundertmark und Ute Stein (Aufnahme: Christian Dick)

Die heutige Senioren-Generation ist so aktiv wie nie zuvor. Da gibt es Bildungsreisen, Tanzkurse, die Möglichkeit sich in einem 400-Euro-Job zu verdingen, als „Tagesoma“ junge Familien zu unterstützen und man glaubt gar nicht, wie hoch der Anteil von Menschen der „Generation 70+“ ist, die im Internet aktiv sind. Eines hat diese Gruppe gemeinsam: Als Senior bzw. Seniorin wollen sie nicht bezeichnet werden und alt sind sie schon gar nicht. Das primäre Anliegen dieser Personengruppe ist es, nicht zu vereinsamen. Und die Angst vor Kontaktarmut ist es, die in dem durch den Direktor des Düsseldorfer Theaters an der Kö sehr stimmungsvoll inszenierten Stück „Blütenträume“ aus der Feder von  Lutz Hübner drei Frauen und drei Männer aus der Generation 70+ dazu veranlasst, einen für eine Altersgruppe konzipierten Flirt-Kurs an der Volkshochschule zu belegen. Die Überraschung ist groß, als dieses Sextett durch eine siebte Person ergänzt wird, die Mitvierzigerin Julia, dargestellt von Jenny Jürgens, die zwar im Beruf als erfolgreiche Managerin ihren Mann zu stehen weiß, aber in punkto Beziehungen überhaupt kein Glück hat. Sie ist nur in den Kurs gekommen weil die Flirtkurse 40+, 50+ und 60+ nicht zustande gekommen sind, sie erhofft sich auch, von den anderen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern, wegen deren Lebenserfahrungen, etwas lernen zu können. Vor Beginn des Kurses sitzen alle erwartungsvoll in einem Schulungsraum und überlegen, was für ein Typ Mensch der Kursleiter wohl sein mag. Umso größer sind das Erstaunen und die Skepsis der über 70jährigen Kursteilnehmer, dass der Kursleiter, der sich als Psychologe und Schauspieler vorstellt, dargestellt von Florian Reiners, gerade einmal in den Vierzigern ist. Das Stück hat viel Wahrheitsgehalt und Tiefgang. So stößt etwa der Kursleiter an seine Grenzen, weil er allzu sehr auf die in seinem Studium erworbenen Coaching-Methoden zurückgreift, durch welche die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer teilweise in sehr psychologischen und emotionalen Druck geraten. In Rollenspielen und Übungen der Präsentation der eigenen Person wird ihnen bewusst, welche Besonderheiten ihre Persönlichkeitsstrukturen aufweisen, jedoch zeigt sich auch, dass es oft schwerer als gedacht ist, in der entscheidenden Situation, in der es gilt, um die Sympathie eines anderen Menschen zu werben, über seinen eigenen Schatten zu springen, eigene Hemmungen zu überwinden und spontan und unverkrampft zu reagieren. Aber gibt es überhaupt ein Ideal-Rezept für derartige Fälle? Und wirkt es nicht eher unnatürlich, wenn man bei einem Flirt, vorher einstudierte Verhaltensweisen anzuwenden versucht, die nicht mit der eigenen Persönlichkeit deckungsgleich sind? Wie man sieht, ist Flirten immer eine Gratwanderung, und es ist gar nicht so einfach, das Herz eines anderen Menschen für sich zu gewinnen, je mehr man dabei seinen Kopf einschaltet. Allein bei den sieben Kursteilnehmern zeigt sich, dass alle über unterschiedliche Charaktere verfügen, deren Grundzüge sich im Laufe ihres Lebens immer stärker ausgeprägt haben. Und wie man einen alten Baum auch nicht verpflanzen kann, so kann man auch eingefahrene Verhaltensweisen nur sehr schwer ändern. Jeder Mensch hat seine Ecken und Kanten. Und diese treten im Verlauf des Stücks bei den Kursteilnehmern immer mehr zutage, das Eis bricht zwischen ihnen und es werden viele Emotionen gezeigt. Besonders lustig ist der Beginn der zweiten Hälfte nach der Pause. Es wird das Lied „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens gespielt. Die Kursteilnehmer machen eine ausgelassene Tanzparty und singen dazu. Als die Musik aufhört, kommt die Frage „Wie heißt es eigentlich, in zerschlissen Jeans oder in zerrissenen Jeans?“ Darauf Jenny Jürgens „In zerrissenen Jeans.“ Dann kommt die Frage „Sicher?“ Darauf Jenny Jürgens im Brustton der Überzeugung „Ganz sicher!“. Aus dieser Konstellation heraus ergeben sich von viel Wortwitz und feinsinnigem Humor gekennzeichnete Dialoge. Das Stück hat aber auch Esprit und Charme. Und was ein ganz besonderer Vorteil ist: Alle Generationen können von diesem Stücke eine ganze Menge für ihr eigenes Leben lernen. René Heinersdorff hat hier wieder mal einmal ein Thema an Land gezogen, das auch sehr gut im Düsseldorfer Schauspielhaus hätte aufgeführt werden können. Dafür gebührt ihm ein großes Kompliment.   

 

Foto: Jenny Jürgens (Aufnahme: Christian Dick)

 

Foto: Renate Hundertmark, Ute Stein und auch René Heinersdorffs Schwiegervater Klaus Schleiff wirkt in dem Stück mit (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: links im Bild: das 7. Mitglied es Ensembles von Blütenträume: Volker Conradt, Mitte: Dorkas Kiefer, zuletzt in dem Stück „Gut gegen Nordwind“ im Theater an der Kö auf der Bühne gewesen und Theaterdirektor und Regisseur des Stücks René Heinersdorff (Aufnahme: Christian Dick)

Am Premierenabend war noch mehr Prominenz aus der Schauspiel- und Kulturszene im Theater an der Kö. Wenn Sie die Überschrift dieses Artikels anklicken, sehen Sie eine Bildstrecke hierzu.

 

Foto: ein „Grand Seigneur“ des deutschen Boulevard-Theaters: Walter Ullrich, Direktor des Kleinen Theaters in Bonn-Bad Godesberg, der am 18. April mit der Komödie „Sonny Boys“, in der er selbst mit von der Partie sein wird, in seinem Theater Premiere feiern wird (Aufnahme: Christian Dick)

 

Foto: Schauspielerin Susanne Uhlen (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: Viola Wedekind, die auch bereits im Theater an der Kö auf der Bühne stand und u. a. in der RTL-Serie „Die Rettungsflieger“ mitgewirkt hat (Aufnahme: Christian Dick)

 

Foto: das Klavierduo Alexander Kolodochka (links außen) und Ekaterina Kolodochka (rechts außen) mit der Frau ihres Künsteragenten Bernd J. Meloch, Laurentia Meloch (Aufnahme: Christian Dick)

Foto: Schauspieler Klaus Wilke (Aufnahme: Christian Dick)

Zu erreichen ist das Theater an der Kö unter der Telefonnummer 0211-32 23 33. Informationen zum Theater an der Kö findet man auch unter der Internetadresse www.theateranderkoe.de.


Filed by Christian Dick at März 26th, 2013 under Kultur

Lieber Herr Dick,
hoffe Ihnen geht es gut. Wir haben festgestellt, dass sich ein Foto unsers Sohnes Joel auf Ihrer Seite befindet. Da Ihn seine Klassenkameraden wegen dieses Bildes im Internet sehr ärgern, möchten wir Sie bitten, dieses Bild zu löschen. Wir wissen, dass Sie uns verstehen.

Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Jeannine Burch Heinersdorff

Comment by Jeannine Burch Heinersdorff — Dezember 16, 2015 @ 23:40

Sebr geehrte Frau Burch,

das tut mir aufrichtig leid, so etwas hätte ich nie für möglich gehalten. Ich habe das Bild wunschgemäß gelöscht.

Alles Gute Ihnen weiterhin,

Christian Dick

Comment by Christian Dick — Dezember 17, 2015 @ 09:08