Zur Missionale: Talk auf der roten Couch im Düsseldorfer Stern-Verlag
Foto: Am 9. Juni waren bei Talk auf roten Couch im Stern-Verlag zu Gast: Esther Betz, Claudia Haupt und Regina van Dinther. Rechts im Bild: Dechant Michael Dederichs aus der Pfarrei St. Antonius in Düsseldorf-Oberkassel, der als Moderator fungierte.
Vom 2. bis 10. Juni findet anlässlich der Missionale in Düsseldorf jeden Tag um 17:00 Uhr ein “Talk auf der roten Couch” im Düsseldorfer Stern-Verlag statt. Dechant Michael Dederichs und Marion Middendorp fühlten am 9. Juni Esther Betz, der Herausgeberin der Rheinischen Post, Claudia Haupt, der Direktorin des Erzbischöflichen Suitbertusgymnasiums in Düsseldorf-Kaiserswerth sowie Landtagspräsidentin Regina van Dinther in Sachen Glaubensfragen auf den Zahn.
Michael Dederichs berichtete, dass er sich daran erinnere, dass er vor einigen Jahren gemeinsam mit Esther Betz auf einem Sofa gesessen habe. Dies sei im Apostolischen Palast in Rom anlässlich einer Privataudienz bei Papst Benedikt gewesen. Esther Betz berichtete im folgenden auf sehr unterhaltsame Weise darüber, dass sie viele kirchliche Würdenträger persönlich kennt. “Ich habe das Glück gehabt, dass mir Gott sehr viele großartige Menschen in meinem Leben über den Weg geschickt hat”, hob sie hervor. Da ist zum Beispiel Joseph Ratzinger zu erwähnen, mit dem sie seit fünfzig Jahren in Kontakt ist. Kennengelernt hat sie diesen während ihrer Studentenzeit als “blutjungen Kaplan” in München, und sie schreiben sich heute immer noch. Esther Betz war auch Privatsekretärin des Münchener Theologie-Professors Michael Schmaus. Außerdem hat sie dem heutigen Mainzer Kardinal Karl Lehmann, während dessen Zeit als Professor in Freiburg, ein schönes Haus bereitet. Hierfür pendelte sie damals zwischen Düsseldorf und Freiburg hin und her und hörte sich auch Vorlesungen von Karl Lehmann an. All diese Erfahrungen mit Theologen haben Esther Betz sehr geprägt. Aber auch die Erziehung ihres Vaters, der Verleger war, hat sie nachhaltig beeinflusst. Dieser hat viel aus der Bibel vorgelesen. Esther Betz und ihre Geschwister mussten die Paulus-Briefe auswendig lernen. Während der Nazi-Zeit war die Kirche für sie ein Zufluchtsort. Esther Betz räumte auch ein, die Kirche habe auf sie als Kind sehr streng gewirkt. Sie gab offen zu, dass sich in Bezug auf die Stellung der Frau in der Kirche noch viel tun könne. Wünschen würde sie sich in der heutigen Kirche, dass das Diakonat für Frauen wieder eingeführt wird. Dies hat es übrigens schon einmal gegeben. Die Diakonissen waren damals unter anderem bei Taufen für die Ganzkörpersalbung der Täuflinge mit Chrysam zuständig.
Nach Angaben von Esther Betz wird die Rheinische Post ihrem Anspruch, Zeitung für “christliche Kultur” zu sein, dadurch gerecht, dass eine klare Linie vorgegeben wird. Die Redakteure wüssten, wie sie arbeiten sollten und strengten sich wirklich wunderbar an, sie versuchten auch selbst aus ihrem religiösen Fundus etwas zu machen, machte sie deutlich.
Claudia Haupt, selber Mutter zweier Kinder, die seit Februar 2009 Direktorin des Erzbischöflichen Suitbertusgymnasiums ist, erklärte, dass sie sich ganz bewusst auf eine katholische Schule beworben habe, weil sie dies als Chance sehe, auf dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes, Bildung anzuregen. Auch in Phasen der Pubertät oder des schulischen Missgriffs müsse man daran glauben, dass Schüler auch einen Sachverstand haben. Lernen begreift Claudia Haupt als ein “In-Dialog-Treten”, um für das Leben gewappnet zu werden. Alle ihre Kollegen seien an dieser Arbeit beteiligt.
In ihrem privaten Umfeld erlebt Claudia Haupt in Bezug auf Glaubensgespräche zum einen Menschen, die sagen “Lass uns nicht so viel reden, lass uns lieber handeln.” Zum anderen gibt es Menschen, die in einem bestimmten Lebensabschnitt sind und die Sinnfrage stellen.
Claudia Haupt hob einen Unterschied zwischen der heutigen Jugend und ihrer eigenen Generation hervor. Die Jugendlichen der 1970er Jahre seien sehr kognitiv und argumentativ gewesen. Dies sei heute verschwunden. Es gebe eher eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Heimatgefühl.
Das Jesus-Bild von Claudia Haupt ist Jesus als Arzt oder Lehrer. Jesus habe die wunderbare Gabe gehabt, in Selbstbildern zu sprechen. Er sei eine Person in Denken, Handeln und Reden gewesen. Seine Gleichnisse seien zugeschnitten auf das Leben des Einzelnen, das fände sie so faszinierend.
Regina van Dinther berichtete sie sei in eine Handwerkerfamilie hineingeboren worden, in der vorher noch niemand studiert habe. Also sei der Glaube in ihrer Familie etwas sehr praktisch Gewachsenes. Sie sei mit einer sehr streng katholischen Großmutter groß geworden. Diese habe ihr erklärt, warum sie den Glauben als Kompass für ihr Leben hatte. Der Glaube sei das einzige gewesen, was ihre Großmutter durch die Kriegszeit hindurch getragen habe. In der Politik, so Regina van Dinther, müsse man immer daran denken, dass es niemals Heilsbringer geben dürfe, die sagten, dass die Würde des Menschen nicht beachtet werden müsse. Regina van Dinther betet vor allem dann, wenn sie Glück erfahren hat und wenn sie traurig ist. Sie betet auch um die richtige politische Entscheidung.
“Kirche wird in kleinen Einheiten vor Ort gebaut. Kirche muss im Dorf bleiben. Deshalb darf Kirche niemals in so großen Einheiten sein, dass man sich da nicht mehr wiederfindet”, hob die Landtagspräsidentin hervor.
In Bezug auf die heutige Spreizung der Gesellschaft in Arm und Reich hob Regina van Dinther hervor, dass man in Deutschland jahrelang Wohlstand erlebt habe. Es sei aber nicht so, dass die gebraten Tauben einem in den Mund fliegen. So müsse ein Umdenken stattfinden. Eltern, denen es besser gehe, müssten ihren Kindern vermitteln, dass nichts vom Himmel falle. Eltern aus ärmeren Familien müssten ihren Kindern vermitteln, dass Bildung ein Schlüssel zum Aufstieg sein könne.
Hinsichtlich der Entscheidungen der Politiker darüber, ob ein bestimmtes Unternehmen, dass in eine Krise gerät, staatliche Hilfe bekommen soll und, wie man diese Entscheidung mit dem christlichen Menschenbild vereinbaren kann, unterstrich Regina van Dinther, dass die Entscheidung über Schutzschirme von Unternehmen heute von Expertenkommission getroffen werde und nicht von den Politikern. Es werde keine Unterschied zwischen großen und kleinen Unternehmen gemacht, erklärte sie abschließend.
Autor: Christian Dick
Filed by Christian Dick at June 10th, 2009 under Kirche